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Emotionale Intelligenz bei Kleinkindern fördern


Was ist emotionale Intelligenz & warum sollte sie schon bei Kleinkindern gefördert werden


Soziale Kompetenzen stehen auf der Fragenliste eines jeden Bewerbungsgespräches. Die Grundlagen für Leistungsfähigkeit, eine stabile Persönlichkeit und Sozialkompetenz werden jedoch schon im Kleinkindalter gelegt.


Als glückliche mehrfache Mutter & stolze Oma, Staatlich anerkannte Erzieherin & Tagespflegeperson (Tagesmutter), Psychologische & Systemische Beraterin, Personal Coach sowie Achtsamkeits- und Entspannungstrainerin für Kinder und Jugendliche begleiten mich die Themen Achtsamkeit, emotionale Intelligenz, Kommunikation und Sozialkompetenz seit Jahren in meinem privaten und professionellen Alltag. Ganz besonders in Verbindung mit Kleinkindern und in der Arbeit mit Familien habe ich mich eingehend diesen Bereichen gewidmet.


Ist Intelligenz als Ausdruck der wichtigsten Tätigkeit des Geistes, welches sich durch den Prozess des Schöpfens und Abstrahierens aus emotionaler Erfahrung entwickelt (vgl. Greenspan 2001, S. 173), anzusehen, so bildet die emotionale Intelligenz mit ihren fünf Bereichen[1] die Grundlage zur Ausbildung aller anderen Intelligenzbereiche. Gardner formulierte die Theorie der multiplen Intelligenzen, worin der Umgang mit den eigenen Gefühlen und die einfühlsame Kommunikation mit anderen Menschen als intra- und interpersonale[2] Intelligenz beschrieben werden (vgl. Psychologie News 2007, Nassar 2012, S. 39). Goleman lehnt seine Begriffsdefinition an diese Theorie an[3] (vgl. Goleman 2008, S. 387).


Eltern und Tagespflegepersonen als Bezugspersonen sind mit ihrem Erzieherverhalten wichtige Einflussfaktoren in der Entwicklung emotionaler und sozialer Kompetenz (vgl. Pfeffer 2012, S. 17). In einer empirischen Erhebung und Untersuchung entstand ein Überblick über das Bewusstsein von Eltern und Tagespflegepersonen für den Stellenwert der Förderung der emotionalen Intelligenz bei Kleinkindern. Betrachtet wurde der Standpunkt der befragten Personen zur Thematik und die Art und Weise der Umsetzung. Gleichzeitig wurde angeregt, den Einfluss von Gefühlen im täglichen Miteinander bewusst wahrzunehmen und zuzulassen.


Krenz betont Achtsamkeit diesbezüglich als wichtigen Aspekt um herauszufinden, wie Gefühle unsere Gedanken manipulieren und unser Handeln beeinflussen (vgl. Krenz 2009, S. 154). Vereinfacht wird emotionale Intelligenz in diesem Beitrag als Fähigkeit zum Wahrnehmen/Ausdrücken von eigenen Gefühlen sowie den Gefühlen anderer und zum angemessenen Umgang mit ihnen verstanden.


„ […] führende Hirnspezialisten haben den Beweis dafür vorgelegt, wie Emotionen das gesamte Leben bestimmen […] und entscheidende Impulse für unser Denken und Handeln geben.“ (Krenz 2009, S. 53) Krenz weist darauf hin, dass die Ergebnisse dieser Forschung eng mit der Bindungsforschung (vgl. Kapitel 4) verknüpft sind, welche eine wichtige Erkenntnis für die Pädagogik darstellen. Alle Denkvorgänge setzen vorhandene emotionale Strukturen sowie Prozesse des Prüfens und Abwägens voraus (vgl. Greenspan 2001, S. 43). Selbstwahr-nehmung, Selbstregulierung und soziale Interaktion bauen auf diesen Strukturen auf. In zahlreichen Publikationen wird dargestellt, wie ausschlaggebend emotionale Intelligenz bezüglich Kompetenzentwicklung bereits in den Kindertagesstätten, Schulen und im Berufsleben, bis hin zu Führungsqualitäten, ist und unsere Zufriedenheit in sozialer Interaktion beeinflusst (vgl. Goleman 2002, S. 19ff. Liebertz 2004, S. 37f. Goleman a 2008, S. 33ff. Goleman 2011, S. 57ff. Juul u. a. 2012, S. 58 ff. Dueck 2012, S. 113).


Für die Akzeptanz von Grundwerten wie Toleranz, Menschenwürde und Freiheit sind sozial-emotionale Kompetenzen die Basis und deren Erwerb eine grundlegende, lebenslange Ent-wicklungsaufgabe bereits ab den ersten Lebensmonaten. Als Schlüsselkompetenzen schaffen sie, grundlegend für Lern- und Leistungsmotivation, die Voraussetzung, dass kognitive Bildungsprozesse gelingen können. (vgl. Pfeffer 2012, S. 16; Ostermayer 2009, S. 7)


Im Alltag müssen Emotionen oft den Leistungsanforderungen weichen. Dies schlägt sich im Wohlbefinden und nicht zuletzt im Gesundheitszustand der Menschen nieder. Kinder reagieren darauf zum Teil mit Gewalt, Unsicherheit und innerem Rückzug. Depressionen, Schlaflosigkeit und Nervosität sind mögliche Folgen. Eine positive innere Haltung birgt ein stärkendes und partiell heilendes Potential (vgl. Liebertz 2004, S 13; Goleman b 2008, S. 47 ff.). Dies präventiv zu nutzen wird als fundamental für die pädagogische Arbeit, einschließlich einer gelingenden Erziehungspartnerschaft mit den Eltern, angesehen. Betrachtet man emotionale Intelligenz in Verbindung mit dem Leitbegriff Wohlbefinden des Bereiches somatische Bildung im Sächsischen Bildungsplan, so wird das Wohlfühlen als grundlegender Faktor für alle anderen Bildungsbereiche deutlich.


Bereits Babys ab einem Alter von drei Monaten lernen durch Beobachtung und Imitation, wie man Emotionen entschlüsselt und ausdrückt (vgl. Gottman 2001, S. 255).


Die Qualität der Bindung des Kindes zu seinen Bezugspersonen hat maßgeblichen Einfluss auf seine emotionale Entwicklung. Von ihr hängen Explorationsverhalten[4] und Entwicklung seines Selbstkonzeptes[5] sowie seiner Identität ab. Das Kind lernt prosoziales Verhalten, Kontrolle über seine Gefühle sowie moralisches Urteilen als Fundament für den Beziehungsaufbau. Bedeutend sind hierfür die ersten drei Lebensjahre. (vgl. Ostermayer 2009, S 10ff.)


Einige praktische Beispiele für emotionale Förderung beschreibt Liebertz (2004, S. 70ff.) an verschiedenen Stellen ihrer Publikation für Kinder ab 3 Monaten, welche methodisch durch Paarspiel, Einzelspiel oder Gruppenspiel mit wenigen Materialien, umsetzbar sind. Eines der Materialien ist ein Gefühlswürfel[6] (ebd. S. 72). Gulden und Scheer (2011, S. 12f.) beschreiben Musik als eine eigenständige Sprache, die überwiegend auf der emotionalen Ebene kommuniziert. Mit Kniereitern und Ruheliedern kann Nähe, Geborgenheit und Annahme vermittelt werden. Kurze Fingerspiele und Verse sowie Klanggeschichten sind weitere geeignete Methoden, um das Emotionalverhalten anzusprechen. Spiele zur Förderung emotionalen Erlebens und Ausdrucks beschreiben Friedrich, Friedrich und de Galgóczy (2008, S. 25ff.) in einem Vorlese-, Spiel- und Mitsingbuch. Musik kann in Morgenkreis, Freispiel, Angebote und Projekte integriert werden und ist immer auch mit Freude verbunden. Die pädagogische Gestaltung von Mahlzeiten, gemeinsame Feiern u. a. fanden bisher zu wenig Berücksichtigung, obwohl schon einjährige Kinder diese als Orientierung für die Herausbildung ihrer Gefühle nehmen (vgl. Stenger 2012, S. 26f.).


Betrachtet man die soziale Interaktion im erzieherischen Alltag, so kann eine pädagogische Grundhaltung[7] als weiterer förderlicher Einflussfaktor betrachtet werden. Der Ansicht ist auch Pfeffer. Sie zählt diese und einen nachvollziehbar offenen und kompetenten Umgang mit den eigenen Gefühlen als Vorbildwirkung zu den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Förderung emotionaler Intelligenz zählt (vgl. Pfeffer 2012, S. 18). Nicht außer Acht gelassen werden sollte die Vermittlung von Werten, welche die Entwicklung von rituellen und kulturellen Erfahrungen als Grundlage einer emotional-sozialen Intelligenz ermöglicht (vgl. Krenz 2009, S. 40f). Ziel aller Methoden sollte es sein, Kinder bei der Regulation ihrer Gefühle durch Schulung der Wahrnehmung (vgl. Singerhoff 1999, S. 144) und Bewertung/Interpretation von Situationen, zu unterstützen. Die Stärkung des Selbstwertgefühls durch Zeit für Herz und Seele (vgl. Lantieri/Goleman 2009, S. 19), Wertschätzung und gemeinsamer Erkundung von Ausdrucksmöglichkeiten für Emotionen werden angestrebt.


Deutlich erkennbar waren und sind eine allgemein verstärkte Offenheit für das Thema Gefühle und Emotionen gegenüber den allzu häufigen Leistungsvergleichen im elementaren Pädagogikbereich, besonders dem Bereich Kleinkindpädagogik. Die empirische Untersuchung bei Eltern und Tagespflegepersonen machte deutlich, dass die Kenntnis und das Wissen zur Umsetzung der Förderung der emotionalen Intelligenz bei Kleinkindern analog zu angewandtem Förderverhalten waren.


Wenn Sie mehr über die Förderung der emotionalen Intelligenz bei Kleinkindern bei Eltern und in der Kindertagespflege erfahren möchten, lesen Sie die weiteren Ausführungen aus meiner Facharbeit zum Thema.

Förderung der emotionalen Intelligenz bei Kleinkindern
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Anhang zur Facharbeit Förderung der emotionalen Intelligenz bei Kleinkindern
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[1] Begriff und Bereiche der emotionalen Intelligenz wurden 1990 von den Psychologen John Mayer und Peter Salovey erstmalig benutzt und publiziert, vgl. Krenz 2009, S. 45ff. Schulze, Freund, Roberts 2006, S. 41f. [2] intrapersonal/interpersonal: auf die eigene bzw. andere Personen bezogen, vgl. Lemper-Pychlau/Weisser 2002, S. 15ff. [3] emotionale Intelligenz: Fähigkeit, eigene Gefühle und die anderer zu erkennen, Selbstmotivation und angemessener Umgang mit eigenen Emotionen und Beziehungen. [4] Exploration: selbständiges Entdecken der Umwelt, vgl. Vollmer 2012, S. 55 [5] Selbstkonzept: ermöglicht, zwischen sich und anderen, eigenen und fremden Emotionen zu unterscheiden, Voraussetzung für das Entwickeln von Empathie, vgl. Vollmer 2012, S. 59f. [6] Anleitung und Vorlage zur Herstellung eines Würfels in: Mößner, Pfeffer, Pfister, vgl. Pfeffer 2012, S. 25. [7] pädagogische Grundhaltung: Wertschätzung, Empathie, Kongruenz, vgl. GWG 2013, S. 18ff.

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